H-1B Visum

Specialty Occupation Workers

Das H-1B Visum ermöglicht eine befristete Arbeitsaufnahme für ausländische Personen mit einem akademischen Abschluss bzw. einem Äquivalent und einem entsprechenden US-Arbeitsplatzangebot. Das H-1B Arbeitsvisum birgt allerdings aufgrund strenger Zugangsvoraussetzungen und zahlenmäßiger Limitierung viele Fallstricke und Hürden.

 

Was ist das H-1B Visum?

Bei der H-1B Kategorie handelt es sich um ein klassisches Arbeitsvisum für die USA, das jedoch ausschließlich hochqualifizierten Arbeitnehmer*innen vorbehalten ist. Das H-1B Visum wird von spezialisierten Fachkräften wie Ingenieur*innen, Wissenschaftler*innen und Architekt*innen beantragt, die für eine begrenzte Zeit in den USA arbeiten möchten.

Welche Vorteile hat das H-1B Visum?

Das H-1B Fachkräftevisum bietet sowohl US-Unternehmen, als auch ausländischen Mitarbeiter*innen eine Reihe von Vorteilen.

  • Im Vergleich zu E- und L-Arbeitsvisa werden relativ niedrige Anforderungen an das US-Unternehmen gestellt.
  • Die Anforderungen an die Antragsteller*innen sind sehr viel niedriger, d. h. die einzustellenden Mitarbeiter*innen müssen keine Führungsposition im US-Unternehmen einnehmen.

Welche Nachteile hat das H-1B Visum?

Die Anzahl der H-1B Visa, die pro Jahr vergeben werden, ist begrenzt (H-1B Cap). Leider sind H-1B Visa im Erstantrag in den letzten Jahren regelmäßig innerhalb weniger Tage vergriffen. Wir empfehlen daher zu prüfen, ob alternativ ein anderes Arbeitsvisum beantragt werden kann.

Welche Voraussetzungen gelten beim H-1B Visum?

Das H-1B Visum ist unternehmensgebunden, d. h. offizielle Antragsteller*innen sind die US-Unternehmen für die zukünftigen Mitarbeiter*innen. Unabdingbare Voraussetzung ist deshalb ein konkretes Stellenangebot in den Vereinigten Staaten von einem US-Arbeitgeber. Die ausländische Person kann mit dem H-1B Visum ausschließlich für das US-Unternehmen tätig werden, welches den Antrag gestellt hat. Auch Non-Profit-, Regierungsorganisationen oder Bildungseinrichtungen (z. B. US-Universitäten) können als Antragsteller*innen fungieren.

Die zukünftige H-1B Position in den USA für die ausländischen Mitarbeiter*innen muss "H-1B fähig" sein, also einer Tätigkeit der Specialty Occupation entsprechen. Per Definition der US-Behörden sind damit Berufsfelder in den USA gemeint, die mindestens ein U.S. Bachelor's Degree voraussetzen oder ein entsprechendes Äquivalent im Arbeitsbereich. Darunter fallen hochqualifizierte Arbeitnehmer*innen u. a. der folgenden Berufsfelder:

  • Rechtsanwält*innen
  • Ingenieur*innen
  • Architekt*innen
  • Mediziner*innen
Bild von einem Arzt in den USA

Das Fachkräftevisum für Mediziner*innen, Architekt*innen & Co.

Es qualifizieren sich also nur solche Personen für ein H-1B Visum, die mindestens über ein U.S. Bachelor's Degree verfügen oder über einen außerhalb der USA erworbenen akademischen Abschluss als Äquivalent. Auch eine Kombination aus schulischer Qualifikation und Berufserfahrung, die als gleichwertig zu einem U.S. Bachelor's Degree anerkannt wurde, ist denkbar und kann mittels sogenannter Foreign Credential Evaluations bzw. Work Experience Evaluations in den Vereinigten Staaten nachgewiesen werden.

H-1B Quotensystem (H-1B Cap)

Die H-1B Visumkategorie ist zahlenmäßig limitiert und unterliegt einem Quotensystem, dem sogenannten H-1B Cap, welches jeweils für ein US-Steuerjahr gilt. Das US-Steuerjahr oder Fiscal Year, kurz FY, beschreibt den Zeitraum zwischen dem 1. Oktober eines Jahres und dem 30. September des Folgejahres.

Insgesamt stehen pro Steuerjahr lediglich 85.000 H-1B Visa zur Verfügung. Während sich viele namhafte Unternehmen in den USA, wie Microsoft und Google, seit Jahren für eine Ausweitung des H-1B Programms aussprechen, stand die Administration um den Ex-Präsidenten Trump dieser Bewegung kritisch gegenüber. Ob mit einer Erhöhung dieser Quote unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden zu rechnen ist, muss abgewartet werden.

Die Anzahl an H-1B Visa verteilt sich auf zwei "H-1B Caps":

Typ der Obergrenze Höhe der Obergrenze
H-1B Regular Cap 65.000
H-1B Master's Exemption 20.000

 

H-1B Regular Cap

Pro US-Steuerjahr können 65.000 H-1B Visa im H-1B Regular Cap erteilt werden für Personen, die über ein U.S. Bachelor's Degree, d. h. einen an einer amerikanischen Universität erworbenen Bachelorabschluss, (oder höher) bzw. ein entsprechendes Äquivalent verfügen. Innerhalb dieses Kontingents sind allerdings noch 6.800 H-1B Visa für mögliche Antragsteller*innen aus Singapur und Chile reserviert.

H-1B Master's Exemption Cap

Zusätzlich steht für Personen mit einem U.S. Master's Degree, d. h. einen an einer amerikanischen Universität erworbenen Masterabschluss, (oder höher) ein H-1B Master's Exemption Cap mit weiteren 20.000 Visa pro US-Steuerjahr zur Verfügung.

Achtung: Nicht alle amerikanischen Bildungseinrichtungen qualifizieren automatisch für das H-1B Master's Cap. An die US-Universitäten bzw. U.S. Colleges werden zwei Bedingungen gestellt:

  1. Die Schule muss ordnungsgemäß von einer national anerkannten Akkreditierungsbehörde akkreditiert worden sein.
  2. Es muss sich um ein öffentliches oder gemeinnütziges (non-profit) Bildungsinstitut handeln.

Sollte eines der beiden Kriterien nicht erfüllt sein, qualifiziert sich der Bewerber bzw. die Bewerberin nicht für das H-1B Master's Cap und der Antrag würde abgelehnt werden. Eine gründliche Prüfung im Vorfeld ist demnach zwingend erforderlich. Ausländische Bewerber*innen könnten sich nämlich sehr wohl für das reguläre H-1B Cap qualifizieren.
Falls der erste Antrag im Master's Cap abgelehnt wurde, ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass das US-Unternehmen zeitlich eine zweite Chance im regulären Verfahren erhält: Beide H-1B Caps sind üblicherweise bereits nach wenigen Tagen ausgeschöpft. D. h., dass eine neue Beantragung eines H-1B Visums erst ein Jahr später möglich wäre.

Bild von den Utensilien eines ausländischen H-1B Arbeitnehmers

H-1B Visa sind zahlenmäßig begrenzt

Jährliche Antragsrunde – die aktuelle H-1B Cap Season

Die H-1B Cap Season für das US-Steuerjahr 2022 (FY 2022) startete am 1. April 2021. Ab diesem Zeitpunkt können amerikanische Unternehmen bzw. Organisationen innerhalb von 90 Tagen, d. h. bis 30. Juni 2021, ihre Anträge auf H-1B Visa für ausländische Mitarbeiter*innen einreichen mit dem Starttermin 1. Oktober 2021 (= frühestmöglicher Arbeitsbeginn).
Voraussetzung: Die H-1B Petition basiert auf einer gültigen, zufällig ausgewählten Registrierung und wird für die in der entsprechenden ausgewählten Registrierung genannten Person (= Beneficiary) eingereicht.

Exkurs: H-1B Registrierung

Bei Erstanträgen mussten sich US-Arbeitgeber*innen im Zeitraum vom 8. März 2021 bis einschließlich 26. März 2021 kostenpflichtig über ein Online-Portal der USCIS registrieren. Pro Mitarbeiter*in bzw. pro Registrierung ist eine nicht erstattbare H-1B Electronic Registration Fee in Höhe von 10 US-Dollar fällig. Der Vorteil für US-Arbeitgeber, die bei der H-1B Pre-Registration leer ausgehen: Wer nicht ausgewählt wurde, erspart sich – im Vergleich zum bisherigen Auswahlverfahren – den Bearbeitungsaufwand für die Zusammenstellung der H-1B Akte. Die H-1B Vorregistrierung ist nämlich weder besonders kostspielig noch aufwendig.

Bei der H-1B Registrierung müssen folgende Informationen angegeben werden:

Informationen Details
US-Arbeitgeber*in (Petitioner)
  • Geschäftsname und rechtmäßige Bezeichnung des US-Unternehmens
  • Employer Identification Number (EIN)
  • US-Anschrift
  • Angaben zu einer Kontaktperson im Unternehmen
Ausländischer Mitarbeiter bzw. ausländische Mitarbeiterin (Beneficiary)
  • Vollständiger Name (Vor- und Zuname)
  • Geschlecht
  • Reisepassnummer (falls vorliegend)
  • Geburtsland
  • Staatsangehörigkeit
  • ggf. auswählen, dass eine Bewerbung für das Master's Cap erfolgt


Doppelte oder fehlerhafte Einträge können bis zum Ablauf der Registrierungsdeadline von US-Unternehmen gelöscht werden, um eine erneute kostenpflichtige Registrierung für den betreffenden Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin vorzunehmen. Nach Abschluss der Registrierungsphase werden bei doppelte Einträgen für ein und denselben Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin im Übrigen automatisch alle Registrierungen für diese Person für das US-Steuerjahr 2022 ungültig.

Tipp: Ein US-amerikanisches Unternehmen kann bis zu 250 Beneficiaries bzw. Mitarbeiter*innen pro Registrierung angeben. Wer weiteres ausländisches Personal für die H-1B Vorregistrierung anmelden möchte, muss eine weitere Registrierung vornehmen.

Bild von dem H-1B Losverfahren

H-1B Nachfrage und Lotterie

Regelmäßig übersteigt die Nachfrage nach der H-1B Kategorie bei Weitem das Angebot an den zahlenmäßig begrenzten H-1B Visa, so dass ein computergeneriertes Zufallsverfahren (Random Selection) zum Einsatz kommt. Dabei werden diejenigen Personen ausgelost, für die H-1B Anträge eingereicht werden können.

Erwartungsgemäß hat die US-Einwanderungsbehörde auch in diesem Jahr angekündigt, dass sie genügend elektronische Registrierungen für das US-Steuerjahr 2022 erhalten hat. Per Zufallsverfahren wurden unter den ordnungsgemäß eingereichten Registrierungen diejenigen ausgewählt und benachrichtigt, die berechtigt sind einen H-1B Antrag für den in der Registrierung genannten Beneficiary zu stellen. Dabei ist die von der USCIS zufällig ausgewählte Menge an H-1B Antragsteller*innen hinreichend für die Erreichung des H-1B Caps (FY 2022).

Nach Durchführung der H-1B Lotterie sind im Online-Profil der H-1B Registrierung für jede Registrierung (d. h. für jeden registrierten Begünstigten bzw. jede registrierte Begünstigte) eine der folgenden vier Statusmeldungen möglich:

  1. SubmittedDieser Status wird über das Ende des Auswahlverfahrens hinaus angezeigt. Ordnungsgemäß eingereichte Registrierungen, die nicht ausgewählt wurden, verbleiben zunächst mit dem Status "Eingereicht" im System und können theoretisch bis zum Ende des US-Steuerjahres für eine Auswahl in Betracht gezogen werden (z. B. wenn eine relativ hohe Anzahl von Registrierungen nicht zu tatsächlichen Einreichungen bei der USCIS während des 90-Tage-Einreichungsfensters führt).
  2. SelectedDie Registrierung wurde ausgewählt. Der US-Arbeitgeber kann eine H-1B Petition für das aktuelle Fiscal Year einreichen.
  3. Not SelectedDie Registrierung wurde nicht ausgewählt und somit nicht für das aktuelle US-Steuerjahr berücksichtigt.
  4. DeniedWenn mehr als eine Registrierung für denselben begünstigten Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin (Beneficiary) eingereicht wurde, werden hierdurch alle Registrierungen für diese Person ungültig und somit abgelehnt.

Wichtig: Die Berücksichtigung durch die H-1B Lotterie beinhaltet nicht die automatische Bewilligung des H-1B Antrags durch die USCIS. Es bedeutet nur, dass der Antrag von der US-Behörde bearbeitet wird.

Rückblick

Im Jahr 2020 gab die U.S. Citizenship and Immigration Services den Eingang von etwa 275.000 Registrierungen für die Teilnahme an den U.S. Regular Cap und Master's Cap Lotterien im Rahmen der jährlichen H-1B Quote bekannt. Die USCIS erhielt die höchsten jemals verzeichneten H-1B-Lotterieeinträge, weshalb die Chance, in dem H-1B Auswahlverfahren berücksichtigt zu werden, geringer denn je war.
Die USCIS hat angegeben, dass etwa 46% aller H-1B Registrierungen für Personen mit einem US-amerikanischen Masterabschluss oder höher bestimmt waren. Es wurden mehr als 40.000 Registrierungskonten eingerichtet und fast 81% der eingereichten H-1B Registrierungen betrafen potenzielle Begünstigte aus Indien (67,7%) und China (13,2%).

Aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus gab es im Jahr 2020 seitens der USCIS Verzögerungen (z. B. bei der Dateneingabe). Darüber hinaus haben einige US-Arbeitgeber angesichts der Schließungen und Geschäftsverluste infolge der COVID-19-Pandemie bei der letztjährigen Antragsrunde auf die Einreichung ihrer H-1B Anträge verzichtet. Aus diesem Grund wurde die H-1B Quote für das Fiscal Year 2021 von 85.000 doch nicht ausgeschöpft. Die USCIS hatte am 11. August 2020 daher noch einmal eine Lotterie durchgeführt. Die "gezogenen" Unternehmen wurden entsprechend benachrichtigt und konnten neuerlich H-1B Anträge einreichen ab dem 17. August 2020 in einem Zeitfenster wiederum von 90 Tagen.

Das Lotterieauswahlverfahren wird seit 2019 in umgekehrter Reihenfolge durchgeführt, damit Kandidat*innen mit einem U.S. Master's Degree oder höher eine größere Chance auf eine Auswahl haben:

  1. Durchführung der Regular Cap Lotterie, wobei alle Master's Cap-Registrierungen der Regular Cap-Lotterie zugeteilt werden.
  2. Durchführung der Master's Cap-Lotterie mit denjenigen Master's Cap-Registrierungen, die nicht in der Regular Cap-Lotterie ausgewählt wurden.

Ab dem US-Steuerjahr 2023 sollen erneut Änderungen am H-1B-Registrierungssystem und Auswahlprozess umgesetzt werden.

Antragsteller*innen, deren H-1B Petition im Losverfahren nicht berücksichtigt wurde, beraten wir über mögliche alternative Visaoptionen.
Kontaktieren Sie uns für ein individuelles Angebot.

H-1B Cap Exempt – Ausnahmen der Quotenregelung

Nicht alle H-1B Anträge sind vom Quotensystem bzw. der zahlenmäßigen Limitierung betroffen. Folgende H-1B Petitionen können immer bei der US-Einwanderungsbehörde eingereicht werden, sind also Cap Exempt:

  • H-1B Verlängerungsanträge, d. h. Petitionen für ausländische Personen, die sich bereits unter H-1B Status in den USA aufhalten bzw. sich innerhalb der letzten sechs Jahre aufgehalten haben.
  • H-1B Anträge für ausländische Personen, die sich bereits unter H-1B Status in den USA aufhalten (oder innerhalb der letzten sechs Jahre aufgehalten haben) im Rahmen eines Arbeitgeberwechsels.
  • H-1B Anträge von "Institution of Higher Education" und deren Zweigstellen unter bestimmten Auflagen (z. B. US-Universitäten)
  • H-1B Anträge von regierungsnahen oder gemeinnützigen Forschungsinstituten (non-profit)

Bild von einem Arbeiter in den USA

H-1B Statistik

Die Popularität des H-1B Visums für hochqualifizierte Arbeitnehmer*innen ist ungebrochen: Bereits seit einigen Jahren gehen innerhalb kürzester Zeit mehrere hunderttausend H-1B Anträge bei der US-Einwanderungsbehörde ein.

US-Steuerjahr Datum des Antragsstopps Werktage bis
Antragsstopp
H-1B Erstanträge unter dem Cap

2021

- - 275.000*

2020

05.04.2019 5 201.111

2019

06.04.2018 5 190.098

2018

07.04.2017 5 199.000

2017

07.04.2016 5 236.000

2016

07.04.2015 5 233.000

2015

07.04.2014 5 172.500

2014

05.04.2013 5 124.000

2013

11.06.2012 49  

2012

22.11.2011 162  

2011

26.01.2011 205  

2010

21.12.2009 182  

2009

07.04.2008 5 163.000

2008

03.04.2007 2 123.480

2007

26.05.2006 39  

2006

10.08.2005 91  

*Anzahl der H-1B Registrierungen

Quelle: USCIS

Das Office of Foreign Labor Certification (OFLC) untersucht regelmäßig die folgenden Bereiche:

  1. Top 10 TätigkeitsfelderDie Berufe der IT-Branche im US-Steuerjahr 2020 die Spitzenpositionen ein. Fast ein Drittel aller eingereichten H-1B Anträge wurden für Softwareentwickler*innen für Anwendungssoftware beantragt. Rund 11% aller H-1B Visa wurden für IT-Systemanalytiker*innen eingereicht, dicht gefolgt von Softwareentwickler*innen für Systemsoftware.
  2. US-BundesstaatenSeit mehreren Jahren werden in Kalifornien die meisten H-1B Visa beantragt, gefolgt von Texas und New York.
  3. US-Arbeitgeber*innenSchließlich wurden die Antragsteller*innen bzw. US-Arbeitgeber*innen untersucht. Die Liste der Top 10 Hauptantragsteller führten im Fiscal Year 2020 die Unternehmen Qualcomm Technologies, Inc., Cognizant Technology Solutions, US Corp. und Infosys Limited an.

Die vollständige Statistik finden Sie auf der Webseite des U.S. Department of Labor, kurz DOL.

H-1B Visum beantragen

Zuständige Behörden

Der H-1B Visumantragsprozess gliedert sich in ein in der Regel vierstufiges Verfahren mit unterschiedlichen behördlichen Zuständigkeiten.

  1. (Credential & Work Experience) EvaluierungVerfügen die zukünftigen Mitarbeiter*innen über einen akademischen Grad (Bachelor oder höher), der nicht an einer US-Universität erworben wurde, so muss im Rahmen eines Evaluierungsverfahrens die Äquivalenz zum ausländischen Qualifikationsnachweis überprüft bzw. bestätigt werden.
    Veranlasst werden können solche Verfahren (Credential Evaluations) über die gängigen Evaluierungsstellen in den USA. Es muss sich hierbei zwingend um eine von der USCIS anerkannte Evaluierungsstelle handeln.
    Verfügen die Mitarbeiter*innen über keinen akademischen Abschluss, jedoch durch eine Ausbildung und langjährige Berufserfahrung über ein Spezialwissen, das dem eines US-Universitätsabschlusses gleichgesetzt werden kann, so muss eine Work Experience Evaluation veranlasst werden.
  2. U.S. Department of Labor (DOL) – Labor Condition Application (LCA)In einem zweiten Schritt muss die Labor Condition Application von dem zukünftigen US-Arbeitgeber bzw. der US-Arbeitgeberin veranlasst werden. Dieser Antrag wird im Rahmen eines Online-Verfahrens über das FLAG System (Foreign Labor Application Gateway) auf der Webseite des U.S. Department of Labor gestellt.
    Die LCA ist nicht zu verwechseln mit der Labor Certification (= Arbeitsmarktüberprüfung durch den / die US-Arbeitgeber*in).
    Beim H-1B Visum muss der US-Arbeitgeber nicht nachweisen, dass er keine amerikanischen Arbeitskräfte für die ausgeschriebene Stelle finden konnte. Im Rahmen der Labor Condition Application muss das US-Unternehmen allerdings unter anderem die adäquate Bezahlung der ausländischen Mitarbeiter*innen bestätigen sowie, dass mit deren Einstellung keine Benachteiligung für das US-Personal einhergeht. Übrigens: Ein Verstoß gegen die dort gemachten Auflagen kann zu empfindlichen Geldstrafen bei einer späteren Überprüfung durch die US-Behörden führen.
  3. U.S. Citizenship and Immigration Services – H-1B PetitionErst nach Erhalt der genehmigten LCA kann die eigentliche H-1B Antragstellung erfolgen: H-1B Petitionen werden am zuständigen Service-Center der US-Einwanderungsbehörde (USCIS) in den USA postalisch eingereicht. Diese Petition umfasst neben den umfangreichen Unterlagen zum US-Unternehmen, zur angebotenen Stelle und zu den Qualifikationen der ausländischen Mitarbeiter*innen auch zwingend die genehmigte Labor Condition Application des U.S. Department of Labor.
    H-1B Petitionen gelten als angenommen, nachdem die US-Einwanderungsbehörde geprüft und bestätigt hat, dass die Antragsunterlagen vollständig und ordnungsgemäß eingereicht wurden und die Visagebühr bezahlt ist. Als Eingangsdatum gilt nicht das Datum des Posteingangsstempels.
  4. US-Konsulat – KonsulatsverfahrenInsofern der USCIS-Antrag bewilligt wurde, erhält das US-Unternehmen ein Bewilligungsschreiben. Im letzten Schritt muss der zukünftige Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin das Konsulatsverfahren durchlaufen, in dem das eigentliche H-1B Visum ausgestellt wird (Ausnahmen bilden nur Statusverlängerungs- bzw. Statuswechselverfahren innerhalb der Vereinigten Staaten). Die Beantragung erfolgt in der Regel im Rahmen eines persönlichen Interviews am zuständigen US-Konsulat im Heimatland.

Achtung: Alle H-1B Antragsteller*innen sollten genau darauf achten, jegliche Korrespondenz an das zuständige USCIS Service-Center zu senden, um Probleme bei der Antragstellung zu vermeiden. Auf der offiziellen USCIS-Webseite können Sie das korrekte USCIS Service-Center finden.

Beantragungsdauer

Beim H-1B Visum handelt es sich um ein komplexes und zeitaufwendiges Antragsverfahren. Die gesamte Beantragungsdauer umfasst durchschnittlich 3 bis 13 Monate. Die Bearbeitungszeiten teilen sich dabei in etwa wie folgt auf:

  • Wenn das U.S. Department of Labor keine Beanstandungen hat, wird die LCA innerhalb von ca. 7 Tagen nach Erhalt genehmigt.
  • Sobald die US-Einwanderungsbehörde (USCIS) eine H-1B Petition offiziell angenommen hat, sind die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten bis zum abschließenden Bescheid abhängig vom zuständigen Service-Center. Die reguläre Bearbeitung dauert zwei bis zwölf Monate (= Regular Processing). Alternativ gibt es hier ein beschleunigtes Verfahren (siehe nächster Absatz "Premium Processing").
  • Insofern das Konsulatsverfahren noch notwendig wird und ein persönlicher Visa-Termin absolviert werden muss, planen Sie bitte bis zum Erhalt Ihres Reisepasses inklusive Visum etwa ein bis zwei Wochen ein.

"Premium Processing" – Beschleunigtes Antragsverfahren

Grundsätzlich besteht für alle Anträge, die mit dem Formular I-129 (Petition for a Nonimmigrant Worker) bei der USCIS eingereicht werden – so auch beim H-1B Visum – die Möglichkeit, die langen Bearbeitungszeiten zu beschleunigen.

Möglich ist das mit dem Formular I-907 (Request for Premium Processing) und einer zusätzlichen Gebühr in Höhe von aktuell 2.500 US-Dollar. Der Vorteil des Premium Processing Verfahrens ist, dass die USCIS Antragsteller*innen eine Antwort innerhalb von 15 Tagen garantiert. Die Antwort beinhaltet in der Regel eine Bewilligung oder aber auch eine Nachfrage (Request For Evidence, RFE) bzw. Ablehnung.

Achtung: Aufgrund des großen Antragsvolumens wird das Premium Processing Verfahren regelmäßig während der Cap Season für einen bestimmten Zeitraum außer Kraft gesetzt, was die Bearbeitungszeiten um mehrere Monate verlängern kann. D. h., viele H-1B Petitionen konnten in der Vergangenheit nicht im Rahmen des Premium Processing Verfahrens eingereicht oder nachträglich beschleunigt werden, sondern mussten die reguläre Bearbeitungszeit durchlaufen. Dies variiert allerdings von Jahr zu Jahr.

Alle weiteren I-129 Nichteinwanderungsanträge (wie beispielsweise L-1 oder O-1) sowie H-1B Verlängerungsanträge können das Premium Processing Verfahren in der Regel wie gewohnt nutzen.

Bild von einer hochqualifizierten Fachkraft in den USA

Wie lange ist das H-1B Visum gültig?

Das H-1B Visum wird im Erstantrag auf maximal drei Jahre bewilligt und kann auf weitere drei Jahre verlängert werden. Die maximale Aufenthaltsdauer von sechs Jahren darf nur dann überschritten werden, wenn rechtzeitig eine arbeitsplatzbezogene Green Card von Seiten des US-Arbeitgebers bzw. US-Arbeitgeberin beantragt wurde (= AC-21 rule).

Visum für Familienangehörige

Ehepartner*innen und unverheiratete Kinder unter 21 Jahren erhalten auf Antrag für denselben Zeitraum wie die Hauptantragsteller*innen ein abgeleitetes H-4 Visum.

Besonderheiten:

  • Erreichen die Kinder die amerikanische Volljährigkeitsgrenze (21 Jahre), müssen sie ihren Nichteinwanderungsstatus wechseln oder das Land verlassen.
  • Ehepartner*innen und Kinder können mit dem H-4 Visum private und öffentliche Bildungseinrichtungen besuchen.
  • Ehepartner*innen können mit dem H-4 Visum keine eigene Arbeitserlaubnis (Employment Authorization Document, EAD) erhalten. Eine Arbeitsaufnahme ist also grundsätzlich nicht gestattet, auch nicht für Kinder.

Die Beantragung einer EAD ist in Ausnahmefällen dann möglich, wenn sich die Ehepartner*innen (mit H-1B Status) bereits in einem laufenden Statusanpassungsverfahren auf Einwanderung (Green Card Verfahren) befinden.

Alternativen zum H-1B Visum

Eine Pauschallösung für Antragsteller*innen, deren H-1B Antrag von der USCIS nicht berücksichtigt werden konnte, gibt es nicht.

Eine Strategie, die US-Arbeitgeber*innen verfolgen, ist das Ausweichen auf H-1B Anträge, die nicht unter das sogenannte H-1B Cap fallen (H-1B Cap Exemption) oder die Wahl eines Optional Practical Training (OPT) für F-1 Visuminhaber*innen. Allerdings kommt dieser "Ersatz" nicht für alle US-Arbeitgeber*innen infrage.

Letztlich bleibt noch die Prüfung weiterer Arbeitsvisa. In manchen Fällen kann beispielsweise die Beantragung eines L-1 Visums oder O-1 Visums in Betracht gezogen werden.

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