US-Behörden erhöhen Personal zur Bewältigung des Antragsvolumens

Das U.S. Department of State arbeitet mittels personeller Aufstockung weiterhin aktiv an der Verbesserung der Antragssituation in den konsularischen Vertretungen weltweit. Noch immer bestehen zum Teil sehr lange Wartezeiten auf Interviewtermine bzw. Bearbeitungszeiten im Rahmen des US-Visumbeantragungsprozesses.

Einige Länder profitieren bereits von den Neuanstellungen in den US-Konsulaten weltweit. Wir geben Ihnen einen Überblick, wie sich die Lage in den US-Vertretungen gestaltet.

 

Statistiken der Bearbeitung von US-Visa veröffentlicht

Seit dem Ende des Travel Bans Ende 2021 kamen die US-Konsulate kaum hinterher die liegengebliebenen und neuen Anträge für US-Visa zu bearbeiten.

Seit der Beendigung des Travel Bans 2021 und der Wiederaufnahme der regulären Bearbeitung von US Visumanträgen kämpfen die US-Konsulate weltweit nicht nur mit der anhaltenden Antragsflut, sondern auch mit der Aufarbeitung der in dieser Zeit unbearbeiteten Fälle. Das U.S. Department of State veröffentlichte nun die aktuellen Zahlen der US-Behörden, um einen Einblick in die derzeitige Lage zu geben.

Im Jahr 2022 haben die konsularischen Vertretungen der USA bisher weltweit etwa 70 Prozent mehr Nichteinwanderungsvisa bearbeitet als im Vorjahr. Dies entspricht etwa 800.000 Anträgen auf Nichteinwanderungsvisa in den Auslandsvertretungen. Auch wenn dies nur etwa 80% des Vor-Pandemie Niveaus entspricht, ist die Masse an neueingehenden Anträgen für die weiterhin personell eher unterbesetzten US-Konsulate nur schwer zu händeln.

Zumindest konnten laut aktuellem Stand etwa 95 % der durch die Pandemie ausstehenden Anträge für Einwanderungsvisa abgeschlossen werden.

Verstärkte Einstellung von Personal in den konsularischen Vertretungen

Das U.S. Department of State erklärte zudem, dass es weiterhin aktiv daran arbeite, die Zahl der Konsularbeamt*innen weltweit bis zum Ende des Jahres 2022 sukzessive zu erhöhen. So gäbe es in diesem Jahr bereits 50% mehr Neuanstellungen in den Übersee US-Konsulaten im Vergleich zum Vorjahr.

Ziel ist nach wie vor, das Niveau der Visabearbeitung dem vor der Pandemie anzugleichen: Verringerung der Wartezeiten auf Visuminterviewtermine bzw. zügige Bearbeitungszeiten von Visumantragsverfahren. Nicht ganz uneigennützig ist dieses Bestreben, insbesondere im Hinblick auf die rasche Erteilung von Arbeitsvisa für Fachkräfte, die auch in den USA händeringend benötigt werden. Natürlich möchte man aber auch Studierenden einen rechtzeitigen Studienstart ermöglichen oder Familien nicht unnötig langen Trennung aussetzen.

Aktuelle Terminsituation in Deutschland

Die Terminsituation in den deutschen US-Konsulaten ändert sich weiterhin nahezu täglich, je nach Standort und Visumkategorie. Insbesondere Interviewtermine für Besuchervisa (B-1/B-2) für Touristen oder Geschäftsreisende sind immer wieder mit langen Wartezeiten verbunden. Noch im Juni 2022 waren die nächsten Termine für ein B Interview in einem der 3 US-Konsulate in Deutschland erst wieder ab Frühjahr 2023 verfügbar.

Seit einigen Tagen hat sich in die terminliche Lage in Berlin, Frankfurt und München wieder etwas entspannt: Aktuell besteht für Antragstellende von Besuchervisa die Chance, innerhalb von rund 4-8 Wochen einen Interviewtermin zu erhalten. Es lohnt sich allerdings immer einen Blick in den Kalender des konsularischen Online-Profils zu werfen, falls die Konsulate doch noch einmal frühere Termine freischalten oder andere Personen Termine absagen.

Bild von einem Kalender, in dem ein Visa-Interviewtermin eingetragen ist

Reisende, die in nächster Zeit einen USA Aufenthalt planen und ein B-Visum benötigen, sollten sich deshalb frühzeitig um einen Termin kümmern, da sich die Terminsituation auch kurzfristig wieder ändern kann.

Andere Visumtypen, wie beispielsweise E oder L-Blanket Visa sollten im Durchschnitt mit einer Wartezeit von 4-6 Wochen bis zum Erhalt eines Termins rechnen.

Glücklich können sich momentan vor allem alle Personen schätzen, die visumfrei mit einer ESTA-Genehmigung in die USA reisen können.
Insgesamt erlauben die USA es nur Staatsbürgern von etwa 40 Ländern weltweit zu geschäftlichen oder touristischen Zwecken visumfrei in die USA zu reisen, alle anderen müssen sich um eines der vielen Visa kümmern.

Der Antragsprozess beginnt grundlegend mit einem Onlineantrag des DS-160 Formulars, einer Visagebühr und der Suche nach einem Interviewtermin beim nächsten US-Konsulat.

Wartezeiten in vielen Ländern weiterhin bis zu 24 Monate

Auch wenn sich die Wartezeiten zur Bearbeitung von Visaanträgen in einigen Ländern leicht verbessert haben, gibt es nach wie vor Länder wie Indien, Kolumbien, Chile, Brasilien oder auch Kanada, bei denen Antragstellende über 24 Monate warten müssen, um einen Termin für ein Besuchervisum zu erhalten.

Besonders betroffen sind in den konsularischen Vertretungen dieser Länder neben den genannten Besuchervisa, Antragstellende von F-1 Student Visa, aber auch Personen, die dringend Arbeitsvisa benötigen.

Vor allem für junge Leute, die Stipendien für ein Studium in den USA erhalten haben oder ihr Visum verlängern möchten, um ihr Studium zu beenden, stehen unter massivem Druck und Zukunftsängsten, weil die Wartezeiten für einen Termin im US-Konsulat so lang sind. Auch Arbeitsvisa-Antragstellende bzw. deren Unternehmen sehen sich durch die schlechte Terminsituation mit weitreichenden Verzögerungen konfrontiert.

Zahlreiche US-Konsulate bieten zwar mittlerweile vereinfachte Antragsverfahren, wie z.B. die postalische Einreichungsoption für Antragstellende an. Aber selbst diese Maßnahmen führten in einigen konsularischen Vertretungen noch zu keiner signifikanten Verbesserung der Antragssituation.

Bearbeitungszeiten länger als zu 9/11

Die aktuelle Situation in vielen US-Konsulaten ist schlimmer als zu Zeiten von 9/11, als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 das gesamte konsularische System für einige Zeit mehr oder weniger zum Stillstand kam. Selbst in dieser kritischen Zeit konnten die US-Behörden nach kürzester Zeit den Bearbeitungsrückstand aufholen, nicht aber nach 2 Jahren Pandemie.

Viele kleinere Ländervertretungen der USA hatten innerhalb der letzten 2 Jahre nur Notfalltermine anzubieten und können nun erst langsam wieder zu einem alten Rhythmus zurückkehren. Zu groß waren die administrativen Einschränkungen innerhalb der letzten Monate.

Bild von einem US-Konsulat

Mittlerweile haben fast alle US-Konsulate und -Botschaften ihre Dienste wieder regulär aufgenommen. Erst seit diesem Monat bietet die US-Botschaft in Indien wieder routinemäßig persönliche Termine für Geschäfts- und Touristenvisa B-1 und B-2 an.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die schrittweise personelle Verstärkung bald auch in den Ländern bemerkbar macht, die noch immer mit langen Wartezeiten auf Termine zu kämpfen haben.

 

Quellen:

https://www.murthy.com/2022/08/29/dos-update-on-u-s-visa-services-embassies-and-u-s-consular-posts/

https://www.voanews.com/a/us-visa-processing-delays-called-worst-since-9-11-/6685941.html

https://travelobiz.com/us-visa-no-in-person-interview-long-waiting-period-continues-and-other-updates/

https://www.state.gov/briefings-foreign-press-centers/update-on-visa-services

https://e.infogram.com/1d13e422-48c4-4148-bda2-da5959860007?parent_url=

https://www.voanews.com/a/us-visa-processing-delays-called-worst-since-9-11-/6685941.html

aktualisiert am 14.9.2022


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