Befragung an der US-Grenze: Primary und Secondary Inspection

Ob mit Visum oder ESTA – jeder USA-Reisende sollte sich darüber bewusst sein, dass sich immer erst bei der Grenzkontrolle entscheidet, ob eine Person in die Vereinigten Staaten einreisen darf oder nicht. Mitunter kommt es zu Nachfragen bis hin zu intensiven Befragungen. Nachfolgend gehen wir daher auf das wichtige Thema der Einreisekontrollen bzw. Primary und Secondary Inspection ein.

 

Wer entscheidet über die Einreise in die USA

Die US-amerikanischen Behörden bemühen sich, die Einreise in die USA für Reisende zu beschleunigen, z. B. über das Global Entry Program und automatisierte Passkontrollstellen (APC) für Personen, die im Rahmen des Visa Waiver Program (VWP) visumfrei reisen. Ob der USA-Reisende die Grenze passieren und einreisen darf, entscheidet letztendlich immer der Grenzbeamte der U.S. Customs and Border Protection (CBP) während der Grenzkontrolle.

Zum Verständnis: Eine ESTA-Reisegenehmigung bzw. ein US-Visum im Pass erlaubt Ihnen lediglich, sich um die Einreise in die Vereinigten Staaten zu bewerben.

Was ist eine Primary Inspection?

In einer sogenannten Primary Inspection prüft der CBP Officer am Port of Entry, d. h. am Grenzkontrollpunkt am Flughafen, Hafen oder an der Landesgrenze zunächst den Reisepass sowie die ESTA-Genehmigung bzw. das US-Visum.

Welche Fragen werden bei einer Primary Inspection gestellt?

Im Allgemeinen wird gefragt, was die Person in den USA vorhat und für wie lange der Aufenthalt geplant ist. Als Reisezweck könnten Sie beispielsweise bei einer Geschäftsreise "Business" angeben. Wer in den USA Urlaub machen möchte, gibt als Antwort hingegen "Pleasure" an.

Tipp: Sie sollten in jedem Fall wahrheitsgemäß antworten!

Was passiert nach der Befragung?

Wenn der Grenzbeamte keinerlei Bedenken zu der Person und dem Reisezweck hat, wird beim Reisenden über den I-94 Stempel der Einreisestatus und die erlaubte Aufenthaltsdauer im Reisepass vermerkt. Das bedeutet, dass dem Reisenden die Einreise genehmigt wird und er demzufolge den Grenzkontrollpunkt verlassen und offiziell in die USA einreisen kann.

Was ist eine Secondary Inspection?

Bei Bedenken zur Person, Einreiseabsicht oder zum Visum hat der US-Beamte die Möglichkeit, eine sogenannte Secondary Inspection durchzuführen. Diese zweite Prüfung ist intensiver und detaillierter, als die erste Befragung und kann ein paar Stunden dauern.

WELCHE FRAGEN WERDEN BEI EINER Secondary INSPECTION GESTELLT?

Die Fragen richten sich u. a. nach den genauen Reiseplänen, dem genauen Reisezweck und ggf. zollpflichtiger Ware. Des Weiteren haben die Grenzbeamten die Befugnis sich das Gepäck von USA-Reisenden anzuschauen und sich Zugang zu mitgeführten Laptops und Smartphones zu verschaffen. Ziel ist es, bestimmte Sachverhalte und Reiseabsichten genauer zu beleuchten und im Idealfall zu klären, damit die Einreise bewilligt werden kann.

Wenn eine Person beispielsweise angibt per ESTA-Genehmigung visumfrei zu Freunden reisen zu wollen, im Gepäck jedoch einen unterzeichneten US-Arbeitsvertrag mitführt, also offensichtlich die Absicht hat, in den USA arbeiten zu wollen, liegt ein Verstoß gegen die Einreisebestimmungen vor. Sollte der US-Grenzbeamte zu dem Schluss kommen, dass eine Person sich nicht für die Einreise qualifiziert, hat er die Möglichkeit, ihr die Einreise zu verweigern. Im oben genannten Beispiel würde dem Reisenden mitgeteilt werden, dass ihm die Einreise mit ESTA verweigert wird und in Zukunft die Einreise in die USA mit einem (Arbeits-)Visum erfolgen muss. In der Regel wird ein Protokoll ("Record of Sworn Statement") erstellt, welches dem USA-Reisenden in Kopie ausgehändigt wird.

Um eine Secondary Inspection zu umgehen, raten wir allen Reisenden, immer mit den passenden Dokumenten ausgestattet zu sein und dementsprechend ESTA oder das richtige Visum für die Einreise zu beantragen. Gerne beraten wir Sie bei Ihren USA-Plänen.

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Nachfragen bei H-1B Visuminhabern

In letzter Zeit häufen sich die Erfahrungsberichte von H-1B Visa Arbeitnehmern über Probleme und die verstärkte Überprüfung bei der Einreise in die USA.

Seit dem präsidialen Dekret ("Executive Order") zur Stärkung der "Buy American, Hire American" Agenda, sind vor allem H-1B Visainhaber in das Visier der US-Grenzbeamten gerückt. Und so häufen sich die Erfahrungen vor allem von ausländischen H-1B Fachkräften. Strenge Kontrollen, intensivere Befragungen an der Grenze und sogar Einreiseverbote treten vermehrt auf. Vor allem Arbeitnehmer aus der IT-Branche sind davon betroffen.

Womit können H-1B Inhaber bei der USA-Einreise rechnen?

Die US-amerikanischen Grenzbeamten haben große Entscheidungsfreiheit einem USA-Reisenden den Einlass zu ge- oder verwehren. Ebenfalls sind sie berechtigt nach eigenem Ermessen verschärfte Kontrollen einzufordern. Dies inkludiert intensive Verhöre und, wenn für nötig befunden, auch das Durchsuchen elektronischer Geräte.

Diese Kontrollen beziehen sich dabei auf sämtliche Textnachrichten, Anrufe, E-Mails, Social Media Einträge und andere Dokumente. Es wird gezielt nach Diskrepanzen, Falschangaben oder Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit der in den USA angestrebten Tätigkeit gesucht. Für H-1B Inhaber kann dies u. a. Informationen zu Tätigkeitsort, Gehalt, anderen Zahlungen oder dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beinhalten.
Können die Verdachtsmomente nicht widerlegt werden oder offenbaren sich weitere Unstimmigkeiten, kann dies verheerende Folgen mit sich bringen. In den vergangenen Monaten wurde wegen solchen Verdachtsmomenten so manchem H-1B Visainhaber die Einreise verweigert.

Eine weitere Methode der Grenzkontrolle ist die Überprüfung des Lebenslaufs. Die Inhalte werden nach Übertreibungen oder Falschaussagen durchleuchtet.
Können fragliche oder aussageschwache Lebensläufe nicht nachvollzogen oder bekräftigt werden, könnte dem Reisenden Betrug vorgeworfen werden. Ähnlich verhält es sich, wenn der persönliche Lebenslauf nicht genau auf die in der H-1B Petition beschriebenen Tätigkeitsbeschreibung passt. Jeder Verdacht auf Betrug bzw. Ausnutzen einer Visakategorie kann in Grenzabweisung resultieren oder sogar zum Visaentzug führen.

Konsequenzen bei MISSVERSTÄNDNISSEN und Fehlinterpretationen

Leider sind ebenfalls Fälle bekannt, in denen die H-1B Fachkräfte Opfer von Missverständnissen und Fehlinterpretation geworden sind. Gerade in der IT-Branche werden Referenzen in Lebensläufen häufig mit der Angabe von (u. a. auch amerikanischer) Kunden und deren Firmensitz versehen. Die IT-Berater selbst sitzen während der Projekttätigkeit jedoch in ihrem Heimatland bzw. außerhalb der USA. Für die US-Grenzbeamten war die Angabe amerikanischer Kunden in der Vergangenheit jedoch Grund zur Annahme, dass einige Fachkräfte illegal in den USA gearbeitet haben oder im Umkehrschluss, ein Lebenslauf gezielt mit Übertreibungen bestückt worden ist.

Die "Buy American, Hire American" Agenda ist somit auch für Grenzbeamte ein klarer Wegweiser und bildet die Basis für deren verstärkte Kontrollen.

H-1B Inhaber sollten sich aufgrund der Vorkommnisse an der Grenze bestens auf die USA-Einreise vorbereiten und sich der Inhalte Ihrer Petition bewusst sein. Es sollte darauf geachtet werden, dass mitgeführte Geräte oder Unterlagen und Inhalte keinen Anlass für Verdacht oder Missverständnisse bieten.

aktualisiert am 12.11.2019


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