ASVVP: Administrative Site Visit and Verification Program

Bild von einem US-Arbeitgeber bei einem Site Visit Visuminhaber werden zunehmend am US-Standort überprüft

Seit 2009 führen Beamte der US-Behörde zur Aufdeckung von Betrugsfällen und für nationale Sicherheit (Fraud Detection and National Security, FDNS) im Rahmen des sogenannten "Administrative Site Visit and Verification Program", kurz ASVVP, Vor-Ort-Überprüfungen von US-Arbeitgebern mit ausländischen Mitarbeitern auf H-1B und L-1A oder L-1B Status durch. Überprüft wird, ob die im ursprünglich eingereichten Antrag gemachten Angaben auch so umgesetzt wurden. Arbeitgeber in den USA sollten sich aus aktuellem Anlass verstärkt auf unangemeldete Kontrollen einstellen.

 

Zunehmende Site Visits

Die US-Immigrations- und Zollbehörde (U.S. Immigration and Customs Enforcement, ICE) gibt regelmäßig die Zahlen der durchgeführten Untersuchungen, der sogenannten "Worksite Enforcement Investigations", bekannt. Nachdem eine massive Zunahme solcher Kontrollen bereits iin den letzten Jahren zu verzeichnen war, hält dieser Trend weiterhin an. Für das laufende Fiscal Year 2018 (1. Oktober 2017 bis 30. September 2018) wurden von der Behörde Homeland Security Investigations (HSI) mehr als

  • 6.840 Worksite Investigations und
  • 5.980 Audits (Notices of Inspection, NOI))

bei US-Firmen durchgeführt.

Damit wurde die Anzahl an Überprüfungen im Vergleich zum Fiscal Year 2017 um mehr als 400% gesteigert. In den Fokus geraten neben Arbeitgebern, die Mitarbeiter mit L-1A oder L-1B-Visa beschäftigen, auch zunehmend jene mit H-1B Visainhabern.
Für das US-Steuerjahr 2019 hat sich die Immigration and Customs Enforcement (ICE) hohe Ziele gesteckt und angekündigt zwischen 10.000 bis 15.000 Audits jährlich durchführen zu wollen.

Was wird am US-Standort kontrolliert?

Bei den Site Visits kontrolliert die Fraud Detection and National Security in erster Linie das US-Unternehmen beispielsweise zur operativen Tätigkeit oder Anzahl der Mitarbeiter und deren Tätigkeiten. Zum anderen wird abgeglichen, ob die Visuminhaber diejenigen Tätigkeiten ausüben, für die das Visum beantragt wurde.

In den meisten Fällen wird der Ermittlungsbeamte mit dem Firmenvertreter sprechen wollen, der auch den Visumantrag unterzeichnet hat. In diesem Gespräch werden sowohl Fragen zu dem jeweiligen Unternehmen (u. a. Gründungsjahr, Anzahl der Mitarbeiter, Anzahl der Niederlassungen) abgefragt, als auch detaillierte Fragen zu den vor Ort angestellten Mitarbeitern gestellt. In einigen Fällen ist auch ein Gespräch mit dem Visuminhaber Teil der Überprüfung. Bei diesen Inspektionen wird ein großes Augenmerk darauf gelegt, ob der Mitarbeiter tatsächlich auch die Arbeitstätigkeiten ausführt, die im Antrag beschrieben wurden. D. h., handelt es sich in der Praxis auch tatsächlich z. B. um eine Managementtätigkeit oder wurde dies lediglich so auf dem Papier angegeben?
Diskrepanzen können dazu führen, dass das FDNS den Fall an die US-Immigrations- und Zollbehörde (ICE) zur weiteren Überprüfung weitergibt. Gegebenenfalls kann der Mitarbeiter zur sofortigen Ausreise aufgefordert werden.

Werden Site Visits angekündigt?

In einigen Fällen kündigt der jeweilige Ermittlungsbeamte seinen Besuch bei Unternehmen an und vereinbart einen passenden Termin. Meist finden Site-Visits jedoch unangekündigt statt. US-Unternehmen mit L-1 oder H-1B Personal sollten jederzeit mit diesen spontanen Site-Visits rechnen: Aus allen bewilligten L-1 bzw. H-1B Anträgen der USCIS wird per Losverfahren ermittelt, welches Unternehmen überprüft wird. Somit haben US-Arbeitgeber, die viele Mitarbeiter unter L-1 oder H-1B Status beschäftigen, eine größere Wahrscheinlichkeit von einer Inspektion betroffen zu sein. Dennoch sind auch sehr kleine Unternehmen nicht davor gefeit.

Konsequenzen

Wenn im Rahmen der Untersuchungen festgestellt wurde, dass ein Unternehmen Gesetze missachtet hat, können zivilrechtliche Sanktionen verhängt werden. Besteht der Verdacht, dass diese Verstöße wissentlich erfolgt sind, kann es neben Geldstrafen zu einer Strafverfolgung kommen. Nicht nur der Arbeitgeber ist hiervon betroffen, auch Arbeitnehmer, die sich demzufolge illegal in den USA aufhalten, können verhaftet und außer Landes verwiesen werden.

Im Zusammenhang mit den durchgeführten Untersuchungen im Fiscal Year 2018 teilte die ICE mit, dass bereits über 770 Criminal Arrests und rund 1.530 Administrative Worksite-Related Arrests bzw. Festnahmen, erfolgt sind.

Unsere Empfehlung

Wir raten daher dazu, dass Sie für die Mitarbeiter mit L- oder H-Visa die einstigen Beantragungsunterlagen so aufbewahren, dass Sie sie im Falle einer spontanen administrativen Kontrolle des FDNS zur Hand haben und vorlegen können. Auch Ihr Mitarbeiter sollte das Visum jederzeit mit sich führen. Weiterhin sollten Sie eventuelle Veränderungen, beispielsweise was die Position Ihres Mitarbeiters betrifft, der USCIS mitteilen, um eventuellen Unstimmigkeiten aus dem Weg zu gehen.

aktualisiert am 18.01.2019


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