O-1 Visum

(Extraordinary Ability)

Das O-1 Visum als klassische Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für die USA ermöglicht besonders talentierten, ausländischen Personen die Arbeitsaufnahme in den USA bei einem US-Unternehmen bzw. einer US-Organisation. Anträge können auch über eine US-Agentur gestellt werden. Diese unterliegen einer strengen Überprüfung. So muss beispielsweise der Nachweis erbracht werden, dass der US-Agent auch tatsächlich als solcher tätig ist, also "in business as an agent" ist.

Es qualifizieren sich nur solche Personen für ein O-1 Visum, die über außergewöhnliche Fähigkeiten in bestimmten Bereichen verfügen.

"Extraordinary Ability" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Person

  • über ein besonders hohes Niveau an Fähig- und Fertigkeiten im jeweiligen Fachgebiet verfügt.
  • ein weit überdurchschnittliches Niveau an Ausbildung innerhalb der Branche vorweisen kann.
  • über eine breite Anerkennung der beruflichen Leistungen innerhalb des Fachgebietes verfügt.
  • zur Spitze in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zählt.

 

Zugangsvoraussetzungen

O-1 Visumanträge können ausschließlich vom US-Unternehmen bzw. vom US-Agenten für den jeweiligen Mitarbeiter eingereicht werden ("Petitioner"). Der Nachweis der Existenz eines US-Unternehmens ist deshalb grundlegende Voraussetzung. Auch Non-Profit- oder Regierungsorganisationen sowie US-Universitäten bzw. Bildungseinrichtungen können O-1 Visa für ausländische Personen beantragen.

Es gibt zwei Kategorien von Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sich für das O-1 Visum qualifizieren können:

Außerordentliche Fähigkeiten in Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft oder Sport (O-1A)
Der O-1A Status steht einer Person zur Verfügung, die zur Spitze in ihrem Arbeitsgebiet zu zählen ist. Für Personen auf dem Gebiet der Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft oder des Sports wird diese führende Stellung durch wichtige internationale Anerkennungen, wie den Nobelpreis, dokumentiert. Da solche besonderen Prämierungen natürlich nur selten vergeben werden, können "außergewöhnliche Fähigkeiten" auch durch mindestens drei der nachfolgenden Kriterien nachgewiesen werden:

  • Empfang eines anerkannten (nationalen/europäischen) Preises für besondere Leistungen in Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Sport.
  • Mitgliedschaft in nationalen Vereinigungen mit entsprechender Reputation, welche hervorragende Leistungen fördern.
  • Veröffentlichungen über die betreffende Person in (Fach-)Zeitschriften und handelsüblichen Publikationen.
  • Teilnahme als Juror bei der Bewertung der Arbeit anderer Fachleute im jeweiligen Arbeitsgebiet.
  • Beiträge von außerordentlicher Bedeutung für das jeweilige Arbeitsgebiet.
  • Autorenschaft wichtiger Artikel in Fachzeitschriften oder Handelspublikationen.
  • Beiträge zur Arbeit von Organisationen, die selbst einen hervorragenden Ruf genießen.
  • Ein überdurchschnittlich hohes Gehalt oder andere (Sonder-)Vergütungen aufgrund dieser Leistungen.

Außergewöhnliche Fähigkeiten auf dem Gebiet der Kunst und außergewöhnliche Leistungen im Bereich Film- und Fernsehindustrie (O-1B)
Um sich für ein O-1B Visum in einer der beiden oben genannten Kategorien zu qualifizieren, muss man bedeutende nationale oder internationale Preise in seinem Arbeitsgebiet erhalten haben oder hierfür nominiert worden sein (z. B. der Academy Award ("Oscar"), Emmy, Grammy oder ein Preis der Director‘s Guild, aber auch vergleichbare Preise innerhalb seines Landes).

Statt mit einer dieser bedeutenden Auszeichnungen oder Preise kann man sich für ein O-Visum auch dann qualifizieren, wenn man mindestens drei der nachfolgenden Kriterien erfüllt:

vergangene oder zukünftige Engagements als Hauptdarsteller/in oder in tragenden Nebenrollen in herausragenden Produktionen oder sonstigen bedeutenden künstlerischen "Highlights".

  • Nationale oder internationale Anerkennung für Leistungen in dem jeweiligen Arbeitsgebiet
  • Engagements in einer Hauptrolle, einer tragenden oder von der Kritik gewürdigten Nebenrolle  für eine bedeutende gesellschaftliche Organisation oder Einrichtung.
  • Nachweis von bedeutsamen kommerziellen ("Kassenschlagern") oder von der Kritik gefeierten Erfolgen im jeweiligen Arbeitsgebiet.
  • Anerkennung von Leistungen im entsprechenden Arbeitsgebiet durch anerkannte Fachleute
  • Früheres oder gegenwärtig überdurchschnittlich hohes Einkommen oder andere Formen von Vergütungen.

Falls eine oder mehrere der oben angegebenen Kriterien nicht direkt auf den Antragsteller zutreffen, kann er/sie auch andere vergleichbare Unterlagen zum Nachweis seiner/ihrer außergewöhnlichen Fähig- und Fertigkeiten auf dem jeweiligen Arbeitsgebiet vorlegen.

 

Gültigkeitsdauer

Üblicherweise wird das Visum in der Erstbewilligungsphase auf bis zu drei Jahre genehmigt. Verlängerungen auf Antrag sind faktisch ohne Begrenzung in Zeitabschnitten bis zu einem Jahr möglich, solange der US-Arbeitsplatz besteht.

 

Beantragungsprozess

Zum Erhalt des O-Visums ist eine Advisory Opinion (auch "No-Objection-Letter" genannt) erforderlich. Dieses Gutachten wird in der Regel vom zuständigen US-Berufsverband oder einer US-Gewerkschaft/Berufsorganisation ausgestellt und bescheinigt einerseits die außergewöhnliche Fähigkeiten der Personen und andererseits, dass keine Einwände gegen die Beschäftigungsaufnahme bestehen.

Steht kein US-Berufsverband zur Verfügung, kann ein solches Gutachten auch beispielsweise von geeigneten Experten (sogenannte "recognized authorities") aus der jeweiligen Branche erstellt werden. In der Regel sind dann mehrere unabhängige Stellungnahmen notwendig.

Der zweite Schritt ist die eigentliche Einreichung der O-1 Petition beim zuständigen Service-Center der amerikanischen Einwanderungsbehörde (USCIS) in den USA.

Sofern der USCIS-Antrag bewilligt wird, erhält das US-Unternehmen ein Bewilligungsschreiben per Post. Im letzten Schritt muss der zukünftige Mitarbeiter das Konsulatsverfahren durchlaufen, in dem das eigentliche O-1 Visum ausgestellt wird (Ausnahmen bilden nur Statusverlängerungs- bzw. Statuswechselverfahren innerhalb der USA). Die Beantragung erfolgt in der Regel im Rahmen eines persönlichen Interviews am zuständigen US-Konsulat im Heimatland.

 

Familienangehörige

Ehepartner und unverheiratete Kinder unter 21 Jahren erhalten auf Antrag für denselben Zeitraum wie der Hauptantragsteller ein abgeleitetes O-3 Visum. Erreichen die Kinder die amerikanische Volljährigkeitsgrenze (21 Jahre), müssen sie ihren Nichteinwanderungsstatus wechseln oder das Land verlassen.

Ehepartner können mit dem O-3 Visum keine eigene Arbeitserlaubnis (Employment Authorization Document, EAD) erhalten. Eine Arbeitsaufnahme ist also grundsätzlich nicht gestattet, auch nicht für Kinder. Ehepartner und Kinder können mit dem O-3 Visum private und öffentliche Bildungseinrichtungen besuchen.